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Rezension:

Christoph Ransmayr: Der Fallmeister.

S.Fischer, 2021, ISBN 978-3-10-002288-2; € 22,70

„Mein Vater hat fünf Menschen getötet.“ Mit diesem ´ersten Satz´ schlägt Ransmayr hohe Töne an. Das versucht jede/r. Seine fünf ertrunkenen Opfer sind: ein Turbinenwärter, eine Änderungsschneiderin mit taubstummer Tochter, ein pensionierter Landmaschinenmechaniker, ein Posaunist einer Blechkapelle und eine kinderlose Musiklehrerin. Damit bewegt sich der Autor in der einen Welt; ortskundig, sachkundig wie immer.

Gleichzeitig wagt er einen Zeitensprung über Jahrhunderte – für den, beim heute angeschlagenen Tempo, auch ein paar Jahrzehnte genügt hätten: Diese andere Welt zeigt sich, wieder zerfallen in egoistische, angstgesteuerte und rivalisierende Kleinstgebilde (Wie z.B. seine Heimat-„Grafschaft Bandon“). Eine gemäßigt dystopische Welt sorgt für einen durchgehenden Stimmungshintergrund der Handlung.

Alleine dieser antizipierte Zerfall der scheinbar globalisierten Welt, dessen Anfänge wir dort und da selbst schon vermuten können, lässt mir kalten Schauer über den Rücken laufen. Dadurch werden im Roman die Beziehung zur Schwester oder der Ausgang der Suche nach dem Vater aus dem Mittelpunkt gerückt.

Die fiction (ein beliebiges Beispiel: „… mit der lokalen Schwebebahn ins Königreich Hannover“) kann selbst in Zeiten der Marslandung nicht besser wieder einfangen werden, als durch den tobenden Kampf um das Wasser auf der Erde. Wasser – der ständige Begleiter im Roman; Der Vater war Schleusenwärter – ´Fallmeister´ in früheren Zeiten -, der Ich-Erzähler ist ein durch die Welt jettender super-privilegierter Hydrotechniker (Bsp.:  „… in dem für Hydrotechniker reservierten Salonwagen“). Unterwegs ausgelöste Reflexionen wirken beliebig unverbunden – beabsichtigt?, ein weiteres Symptom der Zerfalls?

Als Zusatzlektüre zum „Fallmeister“ empfehle ich Ransmayrs An der Bahre eines freien Mannes, enthalten in seinem schmalen Band Arznei gegen die Sterblichkeit (ebenfalls S.Fischer), wo sich der Autor ebenfalls am Bild des Vaters abarbeitet.

Herbert Mackinger